Geschichte unseres Vereins

Hier ein Archivfoto von 1927: (zum Vergrößern bitte anklicken)
Archivfoto

Am 12. März 1898 wurde der Männergesangverein „Liederkranz Trudering“ von Herrn Hauptlehrer Ignaz Lachenmeyer und 32 Truderinger Bürgern im Gasthaus Obermaier gegründet. Wolfgang Eckstein begann 1903 mit der Vereinschronik. Sie umfaßt heute viele Bände, davon kann hier nur das Wichtigste stehen.

Der Verein erlebte in seiner langen Geschichte manchen Höhepunkt, mußte aber auch Tiefschläge hinnehmen. Mitgliederschwund, mangelndes Interesse und geringes Engagement brachten ihn einst an den Rand seiner Existenz. Aber immer wieder fanden sich sangesfreudige Männer, die bereit waren, die Proben zu besuchen und hochdeutsches und bayerisches Kulturgut zu pflegen und zu bewahren. Eine besondere Blüte erlebte der Verein nach dem Zweiten Weltkrieg.

Erstmals wurde 1904 eine Vereinsstandarte gestiftet, und zwar für das Truderinger Frühlingsfest, und noch im gleichen Jahr erstmals für ein Sängerfest verwendet, das Bayerische Sängerfest in Lindau. Erstmals fand 1905 ein Ausflug ins Hochgebirge statt, auf Einladung des Gesangvereins „Liederhort“ in Schliersee, mit einer Messe auf dem Wendelstein durch unseren Sangesbruder Pfarrer Gottschalk. 1910 kam ein neuer Chronist, Xaver Steiner, der sofort feststellen mußte: „Die Herren Sänger werden immer weniger, teils durch Unlust, Krankheit und Gleichgültigkeit, aber auch durch Wegzug.“ Es war 1911 unmöglich, eine Feier durchzuführen. Im folgenden Jahr war er jedoch vom 8. Deutschen Sängerfest in Nürnberg begeistert: „Mein Chronistentalent ist zu schwach, um alle Eindrücke, den herzlichen Empfang, die sinnreiche Ausschmückung der Stadt und den Verlauf des Festzuges zu schildern.“ Chorleiter Lachenmeyer starb am 9. Februar 1914 nach schwerer Krankheit. Ihm folgte Christoph Eckstein ehrenamtlich.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurden auch einige unserer Sangesbrüder zu den Waffen gerufen. Es kamen aber nun auch neue Mitglieder dazu. Fast nur noch kleinere Veranstaltungen waren möglich, meist Wohltätigkeitsfeiern. Von dem Erlös wurden Päckchen gemacht und an die Front geschickt. Zitat aus der Chronik 1917: „Der unselige Krieg brachte eine Menge Verordnungen, die auch das Vereinsleben beeinträchtigen. So hat man uns nach wohlweiser Erwägung der hierfür maßgeblichen Behörden nach und nach ein in Bierfässern aufbewahrtes Getränk, Dünnbier oder Kriegsbier genannt, vorgesetzt, bei dessen 'Genuß' jedes Sängerherz tiefe Wehmut beschleichen muß. Ferner wurde die Polizeistunde landesweit auf 22 Uhr festgesetzt, so daß es den Sängern, denen man ja im Allgemeinen Pech an einem gewissen Körperteil nachsagt, recht schwer gemacht wurde, Zusammenkunftsabende abzuhalten.“ Der 20. Jahrestag des Vereins konnte wegen des Krieges und der sehr kleinen Sängerschar nicht gefeiert werden.

Nach dem Bürgerkrieg, der in München auf den Ersten Weltkrieg folgte, wurde im Herbst 1919 wieder mit den Gesangsproben begonnen. Im April 1920 wurden die aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrten Sänger durch eine Feier mit Kirchgang und und einen Festakt im Stammlokal in das heimatliche Leben zurückgeführt. Leider kamen nicht alle Sänger aus dem Krieg zurück. Die Zahl der Sangesbrüder nahm nach dem Krieg aber insgesamt wieder zu. Im Oktober 1920 zog der MGV in das Gasthaus Westinger um. Dort wurde nun mit großem Erfolg die erste Theateraufführung durchgeführt. Vor allem den älteren Mitgliedern war es aber weh ums Herz, als sie aus dem vertrauten Gasthaus Obermaier ausziehen mußten. Im Oktober 1922 forderte der Vorstand alle Sänger auf, zu den Proben Heizungsmaterial mitzubringen, auch, um die Zahlung der Lokalmiete zu vermeiden. Aus finanziellen Gründen wurde die Mitgliedschaft im Bayerischen Sängerbund gekündigt.

Während der großen Inflation 1923 wuchs die Zahl der aktiven Sänger auf 29 und die Zahl der passiven Mitglieder auf 21. Mitte Dezember zog der MGV wieder ins Stammlokal Obermaier und blieb dort bis heute. Es folgten immer mehr Eintritte junger Männer, darunter Sebastian Weber, ein sehr begabter Dialektdichter und Theaterspieler. In den folgenden Jahren waren erstmals Autos und Motorräder für Vereinsausflüge verfügbar. 1929 verstarb der Ehrendirigent Christoph Eckstein. Neuer Chorleiter wurde Karl Fallenbacher, neuer Vorsitzender Josef Pfleghaar,neuer Chronist ab 1931 Fritz Gebhardt, was er über 40 Jahre lang blieb.

Ab 1933 wurde der Vorstand nicht mehr gewählt, sondern ernannt, was den Verein aber nicht beeinträchtigte, sondern das Gemeinschaftsgefühl stärkte. Jedoch hörten etliche Sänger auf, einige hatten wegen neuer Verpflichtungen keine Zeit mehr. Eine Mitgliedschaft im Deutschen Sängerbund (DSB) wurde Pflicht. Im September 1936 wurde Herr Heinrich, ein Musikstudent, neuer Chorleiter, im Jahr darauf Hans Volnhals neuer Vereinsführer. Bei einem Wertungssingen der Gesangvereine in der Münchner Tonhalle am 9.5.1937 bekam der MGV Trudering den 2. Preis. Mai 1938 kam mit Karl Hackl bereits wieder ein neuer Chorleiter.

Während des Zweiten Weltkrieges war bald keine Vereinstätigkeit mehr möglich (außer der Sängerfahrt Mai 1941), weil viele Mitglieder eingezogen wurden. Die restlichen konnten sich nur noch unregelmäßig treffen. Im Februar 1942 starb der langjährige Schriftführer Xaver Steiner.

Nach dem Krieg verbot die alliierte Besatzungsmacht zunächst die Gesangvereine. Wiederzulassung gab es nur auf Einzelgenehmigung. Für unseren Verein gelang es Sangesbruder Hans Bieber 1946, diese zu bekommen. Im März 1946 fand das erste Treffen statt. Er wurde Vorsitzender, Herr Grassinger wurde Chorleiter. Am 24.5. konnte (sehnsüchtig erwartet) die erste Chorprobe stattfinden. Trotz der Not der Nachkriegszeit, und obwohl manche Sänger (noch) nicht aus dem Krieg zurückgekehrt waren, gab es noch im gleichen Jahr Feiern und Ausflüge. Im folgenden Jahr scheiterte jedoch ein Ausflug am Geld. Unser späterer Vorsitzender Albert Jahn kehrte erst im Dezember 1947 aus der Kriegsgefangenschaft zurück. 1948 wurde Josef Pfleghaar Vorsitzender. Die 50-Jahres- Feier mußte wegen Umbau des Obermaier-Saales und wegen fehlenden Geldes nach der Währungsreform auf das nächste Jahr verschoben werden. Jedoch ging es auch dann nicht im Obermaier-Saal, weil er zum Kino umfunktioniert wurde. Dank hoher Spenden der Truderinger Geschäftsleute war es in großem Rahmen im Gasthaus Göttler möglich. Zuvor wurde Leopold Marschal Vorsitzender und Karl Raithel Chorleiter, die dem Verein einen Aufschwung brachten.

Im August 1950 wurde Erhard Zoll Chorleiter. Er übte dieses Amt 27 Jahre lang aus und war einer der angesehensten, beliebtesten und erfolgreichsten Dirigenten. Ab diesem Jahr stiegen die eigenen Veranstaltungen, die Teilnahme an anderen Veranstaltungen und die Mitgliederzahl stark an. 1952 wurde Albert Jahn Vorsitzender. In diesem Jahr fand auch erstmals der Münchner Sängertag statt, damals mit 23 Gesangvereinen im Kongreßsaal des Deutschen Museums. Er fand bis 2013 jährlich statt, mit jährlich wechselnden wenigen Chören, meistens im Konzertsaal der Musikhochschule, und mußte dann wegen schwerer Intrigen im Münchner Sängerbund eingestellt werden. Im Lauf der Jahrzehnte war manchmal der MGV Trudering aktiv am Sängertag beteiligt. Auch das Sängertreffen der Männerchöre aus dem Münchner Norden und Osten, das Nord-Ost-Singen, wurde ab 1952 regelmäßig durchgeführt; ebenso die wichtigen jährlichen Veranstaltungen des MGV Trudering wie Faschingsball, Ausflug, Allerheiligen-Serenade, Kriegerdenkmal am Volkstrauertag, Adventsfeier. Im August 1954 wurde mit großem Fest mit über 20 Gastvereinen eine neue Vereinsfahne eingeweiht. Damals waren die Leute an solchen Festen noch sehr interessiert, weil sie noch keine Fernseher hatten und nicht in der Welt herumreisten.

Beim Vereinsausflug im Juli 1962 trug unser Karl Schubert erstmals sein Lied „Bitt' schön, Herr Frisör“ vor, was er seither bei den Vereinsfeiern regelmäßig bis zu seinem Tod 2012 tat. Seit dieser Zeit sang der Chor immer wieder bei den kirchlichen Trauungen unserer aktiven Mitglieder und bei den Beerdigungen teils auch passiver Mitglieder. 1963 wurde Walter Hillmaier Kassenwart und blieb es bis zu seinem Tod 1993. Beim Frühlingsfest am 3.4.1965 traten erstmals auf: unsere Volksmusikgruppe mit Poldi Marschal, Bernd Bleeker und Gebhard Winkler, und der Dreigesang (Hans Bernhard, Roman Raab und Erhard Zoll). Hans Bernhard und Roman Raab singen heute noch im Chor mit. Am 17.6.1968 starb unser begnadeter Dichter und Theaterspieler Sebastian Weber.

Am 5.1.1970 wurde Hugo Weiß zum Vorsitzenden gewählt. Am 22.5.1971 wurde im Obermaier-Saal das Theaterstück „Die Hirschgrandeln“ aufgeführt und im Juni beim Bezirksschützenfest in Massenhausen wiederholt. Seither fuhr der MGV jährlich nach Massenhausen zum Kesselfleischessen. Im Mai/Juni 1972 beteiligte er sich im großem Umfang an der 1200-Jahr-Feier Truderings, wobei auch Ministerpräsident Goppel zu Gast war. 1975 wurde Otto Vogginger zum Vorsitzenden, Willi Raab zum Stellvertreter gewählt. Am 25.11.1975 wurde Herr Pfarrer Kellermann als Priester in Trudering eingesetzt, der später dem MGV beitrat und uns bis heute gut unterstützt. Im Dezember 1977 wurde Josef Söll neuer Chorleiter. Am 13.1.1978 wurde Reinhold Wilfling neuer Vorsitzender. Am 22.4.1979 gab der MGV ein sehr erfolgreiches Konzert in der Wandelhalle in Bad Wiessee. Georg Pechtold übernahm die Vereinschronik.

Am 9.1.1981 wurde Richard Wilfling Vorsitzender, am 10.1.1983 Roman Raab. Im Juli 1983 nahm der MGV eine Musikschallplatte auf. Am 24.5.1986 wurde wiederum eine neue Vereinsfahne eingeweiht. Beim Bunten Musikabend am 3.6.1989 trug Opernsänger Nikolaus Hillebrand unter großem Beifall einige Balladen vor.

Im Mai 1990 gab es sogar einen zweitägigen Ausflug, nach Klosterneuburg in Österreich. Am 20.6.1990 fand in der Vereinsgeschichte die erste Diamantene Hochzeit statt; Goldene Hochzeiten sind keine Seltenheit. Im Juli 1990 übernahmen wir sogar die Organisation nicht nur für ein eigenes Fest, sondern für ein Fest des Gasthauses Obermaier selbst, das traditionelle Lampionfest. Auf der Hauptversammlung 1991 trat Georg Pechtold als Chronist zurück, es folgte Karl Hansbauer. Erstmals seit 1949 wurde die Vereinsaktivität wieder durch Krieg beeinträchtigt: Wegen des Golfkriegs fiel der Faschingsball 1991 aus, wie fast überall. Hugo Weiss organisierte ein Benefizkonzert zugunsten eines Waisenhauses in Rumänien und erzielte über 14000 DM Spenden. Er bekam ein Bundesverdienstkreuz. Am 18.5.1992 filmte der Sender TV-Weiß-Blau einen Probeabend und zeigte ihn im Kabelfernsehen. Unser Chorleiter Josef Söll erlitt im August 1992 einen schweren Autounfall, woraufhin Erhard Zoll vertretungsweise wieder die Leitung übernahm. Nach einem Jahr konnte Josef Söll wieder den Chor leiten, nach einem weiteren Jahr jedoch wegen der Unfallfolgen und seines Umzuges endgültig nicht mehr. Claus Hofmann übernahm im Mai 1993 die Gaststätte Obermaier, trat bald unserem Verein bei und war für unsere Probleme stets aufgeschlossen. Edgar Booth, ehemals Mitglied der Regensburger Domspatzen, wurde im Herbst 1994 Chorleiter, gab es jedoch nach einem halben Jahr auf. Erhard Zoll sprang erneut ein, was er in seinem Alter von 80 Jahren immer noch gut fertigbrachte. Einen neuen Chorleiter fanden wir zum 1.10.1995 kurzfristig, Mario Beron de Astrada aus Argentinien. Er setzte ein hohes musikalisches Niveau, das der Chor mit der Zeit von ihm lernte. Er sorgte am 28.6.1996 für ein erfolgreiches Konzert beim Münchner Stadtteilfest. Ihm folgte Anfang 1997 Michael Conrad Reiter, bereits 69 Jahre alt, der hohes musikalisches Niveau freundlich, unkompliziert und kameradschaftlich vermittelte und daher gut zu uns paßte. Zur Hauptversammlung am 13.1.1997 trat Roman Raab nicht mehr als Vorsitzender an, ihm folgte Hans Keil jun. Jedoch wirkt Roman Raab bis heute aufopferungsvoll für den MGV, und wir danken ihm ganz besonders! Zum 100-jährigen Bestehen erhielten wir 1998 die begehrte Zelter-Plakette. Dies ist die Bescheinigung dafür, daß wir als Chor 100 Jahre lang durchgängig (mit Ausnahme des Zweiten Weltkriegs) tätig waren. Seit der 100-Jahres-Feier am 15.5.1998, solange Michael Conrad Reiter Chorleiter blieb, hielt der MGV jährlich ein Klassik-Konzert in der Kirche St. Peter und Paul mit professionellen und halbprofessionellen Solisten ab und produzierte davon CDs. Seit 1999, bis 2006 bis zur Amtseinführung eines neuen Pfarrers, sangen wir auch regelmäßig in der evangelischen Kirche Trudering.

Seit 2000 ist es leider zuweilen vorgekommen, daß ein vorheriger Sänger ins Altenheim oder gar ins Pflegeheim gehen mußte. Gelegentlich besuchen wir sie zum Singen vor den Heimbewohnern und Pflegern. 2004, auf der Jahresversammlung am 12.1., wurde Willi Raab einstimmig zum neuen Vorsitzenden gewählt. Im gleichen Jahr starb Ehrenvorsitzender Erhard Zoll. Der Faschingsball findet seit 2006 wegen nachgelassenen Interesses nicht mehr statt. Auf der Jahresversammlung am 7.1.2008 trat Willi Raab ebenfalls nicht mehr an, Nachfolger wurde kurz entschlossen der bisherige langjährige Schriftführer Uwe Weidemann. Altersbedingt trat kurz darauf der Chorleiter Michael Conrad Reiter ebenfalls ab, als neuen Chorleiter gewannen wir umgehend Jörg Göller. Seither treten wir häufig zusammen mit dem gemischten Chor Chormäleon auf. 2009 nahm unser MGV das letzte Mal am Münchner Sängertag teil. Unser späterer Schriftführer Dirk Hohensohn nahm darüber hinaus von 2007 bis 2011 stets am Gemeinschaftschor auf dem Sängertag teil und erstellte dazu regelmäßig Übungs-CDs, bis der Gemeinschaftschor nach dem altersbedingten Abtritt des Dirigenten Dimi Palos sein Operettenprogramm einstellte; beim letzten Mal 2011 hatte Dirk Hohensohn auch eine Solistenrolle in der Operette.

Auf der Jahresversammlung am 7.1.2010 trat auch Uwe Weidemann nicht mehr zum Vorsitz an, neuer Vorsitzender wurde erwartungsgemäß Neumitglied Markus Trausch, der auch zu Chormäleon gehört. Auf der Jahresversammlung am 13.1.2011 strichen wir das Wort „Liederkranz“ aus unserem Vereinsnamen. Das Jahreskonzert am 2.7.2011 wurde unter dem Titel „Musikalische Reise der Erinnerungen“ anders als bisher: Die Schauspieler Jürgen Wegscheider und Markus Maria Winkler brachten Kabarett und Satire hinein, der Gastchor Chormäleon brachte modernere Musik, die sich von unserer deutschen Traditionsmusik sehr unterscheidet. Im Juni 2013 leitete Jörg Göller im Kulturzentrum Trudering an mehreren Tagen eine Aufführung der Orffschen Carmina Burana mit einem neu gegründeten 120köpfigen Projektchor, an dem sich einige wenige Mitglieder des MGV beteiligten, darunter Leonhard Rieger als Solist in einem sehr hohen Tenorstück und Dirk Hohensohn mit ausgiebigem Übungsmaterial zum Begleitlernen am Heimcomputer. Am 24.6.2014 starb unser überragender Bassist und ehemaliger Vorsitzender Willi Raab nach langer, schwerer Krankheit.

Auf der Jahresversammlung am 11.1.2018 trat auch Markus Trausch nicht mehr zum Vorsitz an, neuer Vorsitzender wurde Chorleiter Jörg Göller.